VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN HADSCH

Die Rechtsgelehrten definieren den Hadsch wie folgt: „Der Hadsch ist die Wallfahrt nach Mekka, um dort die gebotenen rituellen Handlungen während einer festgelegten Zeit zu vollziehen“

Aus dieser Definition lassen sich die drei Pflichten des Hadsch entnehmen. Das Anlegen des Ihrâms ist Fard (Pflicht), der Aufenthalt (Wakfa) auf dem Arafat und der Besuchs-Tawâf sind die Grundpfeiler (Rukn) des Hadsch. Bevor wir die Pflichten des Hadsch näher erläutern, müssen wir zunächst auf die Voraussetzungen für die Verpflichtung, die Ausführung und die Gültigkeit eingehen.

Damit der Hadsch für eine Person zur Pflicht wird, müssen acht Voraussetzungen erfüllt sein.

1) Islamischer Glaube: Das Bekenntnis zum Islam ist die erste Voraussetzung für die Pflicht zum Hadsch. Wer die Pilgerfahrt vollzogen hat, dann jedoch vom Islam abfällt, muss nach seinem Wiedereintritt den Hadsch erneut ausführen.

2) Geistige Gesundheit: Alle islamischen Verpflichtungen gelten nur für Personen, die geistig gesund sind. Aus diesem Grund sind Gottesdienste wie das Gebet (Salâh), das Fasten (Sawm) und der Hadsch für geistig behinderte oder senile Personen keine Pflicht.

3) Religiöse Mündigkeit: Kinder vor der Pubertät sind, unabhängig von ihrem Vermögen, nicht zum Hadsch verpflichtet. Ein Kind, das zum Hadsch gereist ist, muss den Hadsch noch einmal ausführen, wenn es die religiöse Mündigkeit erreicht.

4) Freiheit:  Personen, die nicht frei sind, sind zum Hadsch nicht verpflichtet. Dies gilt auch dann, wenn andere körperliche Gottesdienste wie das Gebet oder das Fasten für sie Pflicht sind. Ein Gefangener, der trotz seiner Situation die Möglichkeit hatte, den Hadsch zu verrichten, muss den Hadsch durchführen, wenn er seine Freiheit wiedererlangt hat.

 

5) Wissen über die Pflichtmäßigkeit des Hadsch: Wer außerhalb eines islamischen Landes lebt und durch das Aussprechen des Glaubensbekenntnisses Muslim wird, aber nicht weiß, dass der Hadsch Fard ist, ist nicht zum Hadsch verpflichtet.

6) Finanzielle Mittel:  Zur Hadsch verpflichtet ist nur, wer nach der Deckung seines täglichen Bedarfs einen Überschuss besitzt. Wer als Ungläubiger vermögend war und nach der Annahme des Islams verarmt ist, für den ist die Pilgerfahrt nicht wâdschib. Wenn aber ein Muslim den Hadsch nicht angetreten hat, als er vermögend war und später verarmte, ist seine Hadschpflicht nicht aufgehoben. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass finanziell gut gestellte Muslime diesen Gottesdienst nicht hinauszögern.

7) Transport und Reisemittel: Wer über die notwendigen finanziellen Mittel zum Reiseantritt verfügt, muss ferner die Reise und Transportkosten decken können und während der Hadsch für seinen Lebensunterhalt und seine Gesundheit sorgen können.

8) Hadsch-Zeit:  Sind die oben stehenden Voraussetzungen erfüllt, muss die vorgeschriebene Zeit für den Hadsch eingetreten sein.

BEDINGUNGEN FÜR DIE DURCHFÜHRUNG DES HADSCH

1) Gesundheit: Personen, die blind oder gelähmt, zu alt oder zu krank sind, um den Hadsch zu vollziehen, sind von diesem Gottesdienst befreit.

2) Sicherheit des Reiseweges
3) Kein Hinderungsgrund (z. B. Gefangenschaft)

4) Begleitung von Frauen durch einen engen Familienangehörigen (Mahram): Gemäß der hanafitischen Rechtsschule sollen Frauen, die nicht von ihren Ehemännern oder einem männlichen Familienmitglied, mit dem eine Heirat aus islamischer Sicht ausgeschlossen ist (Mahram), begleitet werden. Sie können den Hadsch nicht allein antreten. Gemäß der schafiitischen Rechtsschule können drei Frauen, die untereinander zu ihrer Sicherheit eine Vereinbarung treffen, die Pilgerreise gemeinsam durchführen.

5) Ablauf der Wartezeit für verwitwete oder geschiedene Frauen. Geschiedene oder verwitwete Frauendürfen den Hadsch nicht vor Ablauf ihrer Wartezeit (Idda) durchführen.

DREI FORMEN DES HADSCH

DREI FORMEN DES HADSCH

Der Hadsch kann auf drei Arten ausgeführt werden:

1) Ifrâd-Hadsch
2) Tamattu-Hadsch
3) Kiran-Hadsch

Da die Hadsch-Arten in ihrer Ausführung leichte Unterschiede aufweisen, müssen sich die Pilger mit ihren jeweiligen Grundzügen auskennen.

HADSCH AL-IFRÂD

Beim Hadsch al-Ifrâd wird die Absicht ausschließlich für den Hadsch, nicht aber für die Umra gefasst. Daher wird in den Hadsch-Monaten (Schawwal, Zilkada und den ersten zehn Tagen des Zulhidscha) die Umra nicht vor dem Hadsch ausgeführt.

Wer die Absicht zum Ifrâd-Hadsch gefasst hat, legt den Ihrâm nur für die Ausführung des Hadsch an und verlässt ihn nicht, bis alle Aufgaben des Hadsch erfüllt wurden.

Die Darbringung eines Hady-Opfers ist bei dieser Form des Hadsch nicht wâdschib. Nach der Steinigung des Teufels und der Rasur der Kopfhaare können die Pilger den Ihrâm-Zustand verlassen.

Jemand, der die Absicht für den Hadsch al-Ifrâd fassen möchte, legt den Ihrâm in einem der Mîkât-Gebiete an, verrichtet ein Gebet mit zwei Rakas und spricht die folgenden Worte:

„O Allah! Ich möchte den Hadsch durchführen. Erleichtere ihn mir und nimm ihn an.“

Nach dem Eintritt in den Weihezustand spricht der Pilger die Talbiyya unf vollzieht den Kudûm-Tawâf, nachdem er im Masdschid al-Harâm den Schwarzen Stein gegrüßt hat.

Am 9. Zulhidscha führt er zunächst die Arafat-Wakfa und danach die Muzdalifa-Wakfa aus. Nach der Steinigung des Teufels und der Rasur der Kopfhaare am 10. Zulhid- scha verlässt er den Ihrâm und schließt seinen Hadsch mit dem Besuchs-Tawâf und dem Say ab.

HADSCH AT-TAMATTU

Wenn man beabsichtigt, in den Hadsch-Monaten des gleichen Jahres die Umra und den Hadsch auszuführen, indem man die Absicht jeweils getrennt fasst und den Ihrâm anlegt, wird dies Hadsch at-Tamattu genannt.

Wer den Tamattu-Hadsch durchführen möchte, spricht die Absicht für die Umra im Mîkât-Gebiet, legt den Ihrâm an und spricht folgende Absicht:

„O Allah! Ich möchte die Umra durchführen. Erleichtere sie mir und nimm sie an.“

Wenn der Mutamatti (Pilger, der den Hadsch at-Tamat- tu vollzieht) bei der Kaaba angelangt ist, vollzieht er den Umra-Tawâf und den Say der Umra, rasiert seine Kopf- haare ab und verlässt den Ihrâm. Bis zum Eintreffen der Hadsch-Zeit befindet er sich nicht im Weihezustand. Nachdem er den Ihrâm in Mekka ein zweites Mal angelegt hat, begibt er sich nach Arafat, wo er die beiden Wakfas vollzieht. Nach der Steinigung des Teufels und der Opferung in Mina tritt er aus dem Ihrâm aus. Er führt den Besuchs-Tawâf und den Say in Mekka aus und hat damit alle Aufgaben des Hadsch erfüllt.

HADSCH AL-KIRAN

Der Hadsch al-Kiran ist diejenige Form des Hadsch, bei der Hadsch und Umra in einem Ihrâm gemeinsam vollzogen werden. Diejenigen, die die Absicht für diesen Hadsch sprechen, werden „Kar’in“ genannt.

Die Kar’in sprechen die Absicht im Mîkât-Gebiet wie folgt: „O Mein Herr! Ich möchte die Umra und den Hadsch ausführen. Erleichtere sie mir und nimm sie an.“

Nach der Ankunft in Mekka fasst man zunächst die Absicht für die Umra und führt den Umra-Tawâf und den Say aus. Vor der Rasur der Kopfhaare ist auch der Kudûm-Tawâf auszuführen. Nachdem diese beendet ist, verlässt man den Ihrâm noch nicht, sondern tritt die Wakfa auf Arafat und in Muzdalifa an, steinigt den Teufel, schlachtet ein Opfertier und rasiert die Kopfhaare ab. Erst dann verlässt man den Ihrâm.

Verstöße gegen die Bestimmungen während des Kiran- Hadsch ziehen die doppelte Strafe – sowohl für die Umra als auch für den Hadsch – nach sich.

Im Vergleich zu den anderen Hadsch-Formen ist der Kiran-Hadsch zwar anstrengender, nach hanfitischer Lehrmeinung jedoch besonders tugendhaft. Dies gilt nicht nach malikitischer und schafiitischer Rechtslehre, die den Ifrâd-Hadsch als höchste Form des Hadsch be- trachten. In der hanbalitischen Rechtsschule gilt hingegen der Hadsch at-Tamattu als tugendhaftester Hadsch.

Wer den Hadsch ausführen möchte, ist in der Wahl der Ausführungsform frei. Welche Form er auch wählt, er erfüllt damit das göttliche Gebot des Hadsch.

IHRÂM

Schon vor der eigentlichen Ankunft in Mekka begibt sich der Hadsch-Pilger in den Ihrâm, den Weihezustand. Äußerlich geschieht dies durch das Anlegen zweier weißer Tücher oberhalb („Izâr“) und unterhalb der Hüfte („Ridâ“). Frauen tragen weiterhin ihre übliche Kleidung, allerdings wird auch für sie die Farbe Weiß empfohlen. Von nun an versucht der Pilger, von bestimmten Verhaltensweisen und Handlungen abzulassen, die ihm ansonsten erlaubt sind. Er versucht insbesondere, sich von jeder Art von Sünde fernzuhalten.

Eine Person im Ihrâm, die diese Handlungen und Verhaltensweisen befolgt, wird „Muhrim“ genannt.

Den Ihrâm-Zustand einzunehmen ist ein wichtiger Schritt. Der Gläubige entledigt sich damit jeglicher Art weltlichen Schmucks. Die für alle gleiche weiße Kleidung erinnert an den Tag des Jüngsten Gerichts (Kiyâma).

Der Ihrâm hat zwei Grundpfeiler (Rukn): Niyya und Talbiyya. Damit der Ihrâm-Zustand gültig ist, wird die Absicht

vorausgesetzt. Die Niyya ist eine Absichtserklärung für den Hadsch oder die Umra oder für beides.

TALBIYYA

Nachdem man die Absicht gefasst hat, sprechen die Männer mit lauter, die Frauen mit leiser Stimme die Talbiyya:

„Labbayk allâhumma labbayk. Labbayka lâ scharîka laka labbayk. Innalhamda, wannimata, laka walmulk. Lâ scharîka lak.“

Das bedeutet: „Hier bin ich, o Allah, hier bin ich. Hier bin ich, es gibt keinen Teilhaber neben dir, hier bin ich. Alles Lob, alle Gnade sind dein, und alle Herrschaft. Es gibt keinen Teilhaber neben dir.“

Der Muhrim spricht diese Worte während des gesamten Hadsch zu jeder Gelegenheit, jedoch nicht mehr nach der symbolischen Steinigung des Teufels am 10. Tag des Monats Zulhidsch.

Nachdem die Talbiyya dreimal wiederholt wurde, spricht man den Takbîr (Allâhu akbar), den Tahlîl (Lâ ilâha illallâh), den Salawât (Allâhuma salli alâ sayyidinâ Muhammad) und ein Bittgebet. Dies ist Sunna.

Der Prophet Muhammad (s) sagte: „Es gibt außer dem Arafa-Tag keinen anderen Tag als diesen, an dem Allah, der Ehrwürdige, mehr von seinen Geschöpfen vor der Hölle rettet. Wenn seine Diener sich mit zerzausten Haaren und von Staub bedeckt auf dem Hügel Arafat versammeln und „Labbayk…“ rufen, zeigt er sie seinen Engeln: ‚Was wollen sie?’, rühmt er sich mit ihnen vor den Engeln.“ (Muslim, Hadsch, 436)

WÂDSCHIB-BESTIMMUNGEN DES IHRÂMS

Das Anlegen des Ihrâms nur im sogenannten Mîkât-Bereich und die Befolgung der Ihrâm-Verbote ist wâdschib.

MÎKÂT-GEBIETE

Der Mîkât-Bezirk umfasst das Gebiet zwischen Zulhulayfa im Norden und Yalamlam im Süden. In westlicher bzw. östlicher Richtung wird der Mîkât-Bezirk von Dschuhfa und Zât al-Irk begrenzt.

Wer auf dem Landweg anreist, darf diese Grenzen nicht überschreiten ohne sich in den Ihrâm zu begeben. Auch Flugpassagiere mit Zielflughafen Dschidda müssen sich beim Überschreiten der senkrechten Luftlinie dieser Grenzen im Ihrâm-Zustand befinden.

Innerhalb des Masdschid al-Harâms ist der Ihrâm Vorschrift. Dies gilt auch für diejenigen, die nur zwecks Besuch oder geschäftlich dort aufhalten.

Wer seinen Wohnsitz zwischen dem Harâm-Bereich und den Mîkât-Grenzen hat, muss, um für den Hadsch oder die Umra den Ihrâm anzulegen, nicht zu den Außengren- zen des Mîkât-Bereichs reisen. Sie legen stattdessen den Ihrâm dort an, wo sie sich befinden. Die Gebiete zwischen Harâm-Bereich und Mîkât-Grenze werden als Hill-Gebiete bezeichnet.

SUNNAS DES IHRÂMS

Zu den Sunnas des Ihrâms gehört es, sich nach dem Betreten des Mîkât-Bezirks zu reinigen, Zehen- und Fingernägel zu schneiden und die Scham- und Achselhaare zu rasieren. Anschließend nimmt man die rituelle Ganzkörperwaschung (Gusl) vor und parfümiert sich. Danach legt man die beiden Ihrâm-Tücher an und fasst die Absicht, den Hadsch im Weihezustand zu vollziehen. Die Tücher sollten bequem zu tragen und groß genug sein, um die Awra zu bedecken (s. u.). Obwohl es keine verbindliche Vorschrift für ihre Farbe gibt, ist es mustahab (verdienst- voll), weiße Tücher zu tragen. Der Ihrâm der Frauen ist ihre übliche Kleidung. Es wird aber auch ihnen empfoh- len, weiße Kleidung zu wählen, bei der die Haut nicht sichtbar wird.

Während des Anlegens des Ihrâms spricht man dreimal laut die Talbiyya und verrichtet ein Gebet mit zwei Gebetsabschnitten (Rakas), sofern man sich nicht in der Karahat-Zeit befindet, in der nicht kein Gebet verrichtet werden darf. Der Pilger befindet sich nun im Weihezustand und muss versuchen, die im Folgenden erläuterten Verbote zu beachten.

IHRÂM-VERBOTE

Im Ihrâm-Zustand gelten bestimmte Verbote. Die Missachtung dieser Verbote ziehen Konsequenzen nach sich, die der Muhrim kennen sollte.

1) Passieren der Mîkât-Grenzen ohne Ihrâm Falls man die Mîkât-Grenzen ohne Ihrâm passiert hat, muss man zurückkehren und den Ihrâm anlegen. Wer dies nicht tut, muss zum Ausgleich ein Opfertier schlachten.

2) Verbot des Geschlechtsverkehrs Für Pilger im Weihezustand ist Geschlechtsverkehr verboten (haram). Der Hadsch wird ungültig, wenn der Geschlechtsverkehr vor der Arafat-Wakfa stattgefunden hat (9. Tag des Zulhidscha). In diesem Fall muss die Pilgerfahrt erneut durchgeführt werden. Wer nach der Arafat-Wakfa, aber noch vor der symbolischen Steinigung des Teufels Geschlechtsverkehr hat, muss ein Kamel opfern. Für in- time Beziehungen nach der symbolischen Steinigung des Teufels und vor der Rasur des Kopfes ist die Opferung eines Schafs vorgeschrieben.

3) Vorzeitiges Verlassen des Ihrâm-Zustands Um den Ihrâm verlassen zu können, muss die Steinigung des Teufels vollzogen und ein Opfertier geschlachtet worden sein. Erst dann erfolgt die Rasur des Kopfes. Wer den Ihrâm vorzeitig verlässt, muss als Sühne (Kaffara) eben- falls ein Schaf schlachten.

4) Verwendung von Parfum Das Auftragen von Parfum oder anderen Düften, sei es als Flüssigkeit oder Creme, auf den Körper und/oder die Ihrâm-Tücher ist verboten. Auch das Färben der Haare, z. B. mit Henna, ist untersagt.

Bei Verstößen gegen dieses Verbot muss der Muhrim in Abhängigkeit von der Menge des aufgetragenen Parfums entweder eine Geldspende leisten oder ein Schaf schlachten. Gleiches gilt übrigens auch für die Verwendung duftender Seifen, Salben oder Medikamente.

5) Schneiden der Finger- und Zehennägel Sofern der Muhrim sämtliche Zehen- und Fingernägel kürzt, muss er ein Schaf opfern. Wer nur einige Nägel geschnitten hat, muss für jeden Nagel eine Geldspende entrichten.

6) Tragen genähter Kleidung und/oder Schuhe
Ein Muhrim, der einen ganzen Tag, d. h. von morgens bis abends, genähte Kleidung trägt, ist verpflichtet ein Schaf oder eine Ziege zu schlachten.

Wurde die Vorschrift über eine kürzere Zeitspanne hin- weg missachtet, wird lediglich eine Geldspende entrichtet. Die Wiedergutmachung ist selbst dann erforderlich, wenn man genähte Kleidung oder feste Schuhe versehentlich oder gezwungenermaßen getragen hat. Diese Regel gilt auch für das Tragen von Kopfbedeckungen, z. B. Turbane oder Gebetsmützen bei männlichen Muslimen.

Eine Ausnahme stellen Überwürfe dar, die locker um die Schultern gelegt werden, z. B. Schultertücher oder Jacken, wenn die Ärmel nicht angezogen werden. Hier ist keine Kaffara zu leisten.

7) Jagd Der Muhrim darf keinerlei Landtiere jagen. Dabei besteht kein Unterschied zwischen denjenigen, die das gejagte Tier absichtlich, unwissentlich oder versehentlich getötet haben und denjenigen, die bei seiner Tötung behilflich gewesen sind. Wer diese Vorschrift missachtet, muss zur Strafe den für das gejagte Tier bemessenen Preis zahlen oder ein Schaf bzw. eine Ziege opfern.

8) Fällen von Bäumen bzw. Ausreißen von Pflanzen und Gräser innerhalb des Harâm-Bezirks
Für gefällte Bäume oder ausgerissene Pflanzen muss deren Gegenwert als Spende entrichtet werden. Alternativ kann ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet werden. Das Fleisch des Opfertiers wird an Bedürftige innerhalb des Harâm-Gebiets verteilt. Dieses Verbot erstreckt sich nicht auf abgestorbene Bäume und vertrocknete Pflanzen oder Gräser.

9) Streit im im Ihrâm-Zustand Jede Form verbaler (oder gar körperlicher) Auseinandersetzungen ist haram. Wer diese Vorschrift missachtet, muss eine Geldspende entrichten.

IM IHRÂM-ZUSTAND ERLAUBTE HANDLUNGEN

Für Pilger im Weihezustand ist es uneingeschränkt erlaubt, sich mit geruchloser Seife und Wasser zu reinigen, sich die Zähne mit einer Zahnbürste oder einem Miswak zu putzen, geruchlose Salben und Cremes aufzutragen, Wäsche zu waschen, (genähte) Geldbeutel und Gürtel zu tragen oder um den Hals zu hängen, Ringe zu tragen und einen Schirm als Sonnenschutz zu benutzen. Auch der Aufenthalt in geschlossenen Räumen oder im Schatten eines Baumes ist unbedenklich.

Der Muhrim sollte Schuhe tragen, die an der Ferse, den Zehen und auf der Oberseite des Fußes offen sind.

Kurz zusammengefasst: Ein Pilger darf sich nach dem Eintritt in den Weihezustand nicht rasieren, keinerlei Haare von seinem Körper entfernen, seine Nägel nicht schneiden und keine Duftstoffe auftragen. Er darf keinen Geschlechtsverkehr haben und muss Situationen, die zum Geschlechtsverkehr führen könnten, vermeiden. Er darf sich mit niemandem streiten, niemanden beleidigen oder verletzen.

Diese Anweisungen unterstreichen die besondere spirituelle Bedeutung des Ihrâm-Zustandes. Durch die strikte Beachtung der Ihrâm-Verbote zügelt der Gläubige seine Triebseele und reinigt sich von seinen Sünden.

Tavaf

TAWÂF

In Mekka angekommen nehmen die Pilger noch einmal die Ganzkörperwaschung (Gusl) vor und gehen zur Kaaba. Auf dem Weg zum Harâm asch-Scharîf werden die Talbiyya, der Takbîr, der Tahlîl und Salawât gesprochen. Beim An- blick der Kaaba wird dreimal der Takbîr und dreimal der Tahlîl ausgerufen. Anschließend kann man ein persönliches Bittgebet sprechen, wie z. B. dieses:

„O Allah! Vermehre die Würde, die Verehrung, die Erhabenheit und Herrlichkeit dieses gesegneten Hauses. O mein Herr! Erhöhe die Ehre und den Rang derjenigen, die ihm Ehrerbietung und Hochachtung entgegenbringen, ebenso wie von denjenigen, die auf gleiche Weise den Hadsch und die Umra mit Ehrerbietung und Hochachtung ausführen.“

Am Schwarzen Stein, dem Startpunkt des Tawâf, fassen diejenigen, die den Tamattu-Hadsch oder Kiran-Hadsch vollziehen möchten, die Absicht zum Umra-Tawâf. Wer dagegen den Ifrâd-Hadsch zu vollziehen beabsichtigt, fasst die Absicht zum Kudûm-Tawâf.

ABSICHT (NIYYA) FÜR DEN UMRA-TAWÂF

Für den Umra-Tawâf wird folgende Absicht gesprochen: „O Allah! Um deine Zufriedenheit zu erlangen will ich mit sieben Schawts den Tawâf der Umra ausführen. Erleichtere ihn mir und nimm ihn an.“

Für den Kudûm-Tawâf spricht man die Absicht wie folgt:

„O Allah! Um deine Zufriedenheit zu erlangen will ich mit sieben Schawts den (Kudûm-)Tawâf ausführen. Erleichtere ihn mir und nimm ihn an.“

Bevor man mit dem Tawâf beginnt, küsst man zunächst den Schwarzen Stein. Sollte dies z. B. aufgrund starken Gedränges nicht möglich sein, grüßt man ihn aus der Ferne. Dazu hebt man die Hand und spricht den „Istilâm“: „Bismillâhi Allâhu akbar! Allâhu akbar wa lillâhil hamd“ („Im Namen Allahs, Allah ist am größten. Allah ist am größten. Lob und Dank gebühren ihm.“)

Dieser Gruß wird am Ende jeder Umrundung („Schawt“) wiederholt. Auch die „jemenitische Ecke“ (Rukn al-Yamânî) der Kaaba wird gegrüßt. Bei jedem Schawt wird zwischen dem Rukn al-Yamânî und dem Hadschar al-aswad folgen- des Bittgebet gesprochen: „O unser Herr! Gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits. Beschütze uns vor der Höllenpein. Lass uns mit den Guten ins Paradies eintreten. O Ehrwürdiger, o Herr der Welten, der du reich bist an Vergebung.“

Der Tawâf wird gegen den Uhrzeigersinn ausgeführt, so- dass sich die Kaaba stets zur Linken befindet. Außerdem ist darauf zu achten, nicht durch den Zwischenraum zwi- schen Kaaba und Hatim-Wand hindurch zu gehen.

Bei allen Tawâfs, denen der Say folgt, ist es Sunna, den „Iztibâ“ und während der ersten drei Schawts den „Ramal“ auszuführen. Iztibâ bedeutet, das obere Ihrâm-Tuch unter dem rechten Arm hindurch über die linke Schulter zu führen, so dass der rechte Arm und die rechte Schulter unbedeckt bleiben.

Der Ramal ist der von Männern während der ersten drei Schawts des Umra- bzw. Besuchs-Tawâfs vollzogene Lauf- schritt. Der Überlieferung nach wurde den Gefährten während eines Tawâfs um die Kaaba von den Götzendienern Schwäche vorgeworfen. Daraufhin sagte der Prophet:

„Wer sich heute gegenüber den Götzenanbetern stark zeigt, der möge Allahs Gnade erfahren!“ (Ah- mad bin Hanbal, I, 305-306).

Nach dem Tawâf verrichten die Pilger hinter dem Makâm Ibrâhîm ein aus zwei Rakas bestehendes Gebet. Wer im Umkreis des Makâm Ibrâhîm keine Möglichkeit zum Gebet findet, kann es an einer beliebigen anderen Stelle in der Nähe der Kaaba verrichten. Anschließend können Bittgebete der freien Wahl gesprochen werden.

Das Tawâf-Gebet mit zwei Rakas ist wâdschib, vorausgesetzt, die Karahat-Zeit ist nicht eingetroffen. Es ist emp- fohlen, beim Tawâf-Gebet während der ersten Raka nach der Sure Fâtiha die Sure Kâfirûn und während der zweiten Raka die Sure Ihlâs zu rezitieren.

Wer in unmittelbarer Nähe der Kaaba ein Gebet verrichtet, sei es als Farz-Gebet, als Wâdschib-Gebet oder als Nâfila-Gebet, sollte währenddessen zur Kaaba zu schauen, sofern es die Konzentration nicht stört. Wer das Gebet an einer Stelle verrichtet, von der aus die Kaaba nicht zu sehen ist, schaut wie gewöhnlich auf den Punkt seiner Niederwerfung.

Wenn möglich, begibt man sich nach dem Tawâf-Gebet zum Multazam zwischen der Kaaba-Tür und dem Schwarzen Stein, um erneut Bittgebete zu sprechen.

Es ist sehr verdienstvoll, beim Multazam zu beten. Der Prophet sagte:

„Es gibt niemanden, der hier beim Multazam Duâs spricht, die nicht angenommen werden.“ (Bayhakî, Sunan all-Kubrâ, Hadsch, V, 164)

BEDINGUNGEN FÜR DIE GÜLTIGKEIT DES TAWÂFS

1) Der Tawâf muss um die Kaaba herum innerhalb des Haram asch-Scharîf ausgeführt werden.

2) Es müssen mindestens vier Schawts ausgeführt werden. Für alle beim Hadsch-Tawâf fehlenden Schawts ist eine Kaffara zu leisten.

3) Mit dem Tawâf muss unbedingt in Höhe des Schwarzen Steins begonnen werden. Andernfalls ist dieser Schawt ungültig.

4) Alle Hadsch-Tawâfs müssen zu festgelegten Zeiten ausgeführt werden.

Der Tawâf des Hadsch hat drei Formen: Kudûm-Tawâf, Besuchs-Tawâf und Abschieds-Tawâf. Weitere Tawâf-Formen sind der Umra-Tawâf, der Nazîr-Tawâf und der Nâfi- la-Tawâf. Die einzelnen Formen sind in ihrer praktischen Ausführung zwar gleich, allerdings gibt es unterschiedli- che Bestimmungen zum Zeitraum ihrer Durchführung, ihrem Verpflichtungsgrad und den anschließenden Got- tesdiensten. Dies wird im Folgenden erläutert.

KUDÛM-TAWÂF

Der Kudûm-Tawâf wird von allen Pilgern nach der Ankunft in Mekka ausgeführt. Er ist für diejenigen Sunna, die die Absicht zum Hadsch al-Ifrâd und zum Hadsch al-Kiran gefasst haben, aber nicht für diejenigen, die den Hadsch at-Tamattu ausführen möchten.

Wer die Absicht zum Hadsch al-Ifrâd gefasst hat, führt den Kudûm-Tawâf unmittelbar nach der Ankunft in Mekka aus.

Wer die Absicht zum Hadsch al-Kiran gefasst hat, führt zuerst den Umra-Tawâf durch. Sobald man den Say vollzogen hat, führt man im Anschluss den Kudûm-Tawâf aus. Wird der Say nach dem Kudûm-Tawâf nicht vollzogen, entfallen Iztibâ und Ramal. Wird jedoch der Say des Farz-Tawâfs ausgeführt, was für diejenigen von außerhalb des Mîkât-Gebietes die geeignetere Variante ist, werden auch die beiden Sunnas vollzogen. Der Kudûm-Tawâf kann bis zur Arafat-Wakfa durchge- führt werden.

BESUCHS-TAWÂF

Der Besuchs-Tawâf, der nach der Arafat-Wakfa durchgeführt wird, ist einer der beiden Grundpfeiler der Hadsch und damit Pflicht (Farz) für jeden Pilger.

Die Zeit dieses Tawâfs beginnt mit der Morgendämmerung des ersten Festtages. Er muss in den ersten drei Tagen des Opferfestes durchgeführt werden. Wer ihn grundlos aufschiebt, muss ein Schaf bzw. eine Ziege opfern. Menstruierende Frauen holen den Tawâf nach, sobald die Menstruation vorüber ist. Für eine solche Verspätung ist keine Strafe vorgesehen. Der Besuchs-Tawâf muss unbedingt von jedem Pilger selbst durchgeführt werden. Die Benennung eines Stellvertreters ist nicht möglich. Der Hadsch endet mit der Ausführung des Besuchs-Tawâfs und des Abschieds-Tawâfs.

ABSCHIEDS-TAWÂF

Der Abschieds-Tawâf ist für alle Hadsch-Pilger, die von außerhalb der Mîkât-Grenzen kommen, wâdschib (ver- pflichtend). Er wird nach der Steinigung des Teufels in Mina vollzogen, bevor man Mekka verlässt.

Jeder zusätzliche freiwillige Tawâf nach dem Besuchs-Tawâf gilt als Abschieds-Tawâf. Es ist nicht unbedingt notwendig, die Absicht zum Abschieds-Tawâf zu fassen.

Wenn Frauen während ihrer Menstruation Mekka verlas- sen, ohne den Abschieds-Tawâf zu vollziehen, müssen sie keine Kaffara leisten.

UMRA-TAWÂF

Den Umra-Tawâf führt aus, wer nur die Umra oder den Tamattu-Hadsch ausführen möchte. Hierbei wird die Absicht für die Umra und den Hadsch getrennt gefasst wird. Dasselbe gilt für alle, die die Absicht zum Kiran-Hadsch fassen, indem sie den Ihrâm-Zustand für Umra und Hadsch vereinen. Der Umra-Tawâf wird von ihnen nach der Ankunft in Mekka zuerst durchgeführt. Da im Anschluss der Say vollzogen wird, werden gemäß der Sunna in allen Schawts der Iztibâ und in den ersten drei Schawts der Ramal vollzogen.

NAZÎR-TAWÂF

Dieser Tawâf ist wâdschib für denjenigen, der ein Opfer gelobt. Wer hierfür einen Zeitpunkt bestimmt hat, muss ihn einhalten. Nach dem Nazîr-Tawâf ist kein Say notwendig.

NÂFILA-TAWÂF

Dieser Tawâf wird von Personen ausgeführt, die sich längerfristig in Mekka aufhalten und von Zeit zu Zeit die Kaaba besuchen. Im Anschluss ist kein Say notwendig.

Der Nâfila-Tawâf ist sehr verdienstvoll. Pilgern wird deshalb empfohlen, sich nach der Umra vorrangig diesem Tawâf zu widmen.

WÂDSCHIB-BESTIMMUNGEN DES TAWÂFS

1) den Tawâf beim Schwarzen Stein beginnen
2) Laufrichtung gegen den Uhrzeigersinn; die Kaaba liegt immer zur Linken

3) den Tawaf zu Fuß ausführen, sofern kein Hinderungs- grund (z. B. körperliche Schwäche oder Krankheit) besteht

4) die Gebetswaschung (Wudû) und, wenn nötig, die Gusl-Waschung durchführen

5) die Intimbereiche des Körpers bedecken

6) den Tawâf außerhalb des Hatim-Bereichs ausführen

7) den Tawâf auf sieben Schawts vervollständigen

8) nach dem Tawâf das aus zwei Rakas bestehendem Tawâf-Gebet verrichten

SUNNAS DES TAWÂFS

1) sich dem Schwarzen Stein aus Richtung des Rukn al- Yamânî nähern

2) den Schwarzen Stein zu Beginn des Tawâf und am Ende jedes Schawts grüßen

3) die Schawts hintereinander und ohne Unterbrechung ausführen

4) den Iztibâ und den Ramal durchführen (nur Männer) 5) den Nâfila-Tawâf so oft wie möglich ausführen

6) sich der Kaaba so weit wie möglich nähern; Frauen sollten Gedränge jedoch möglichst meiden.

Tavaf Dua

TAWÂF

In Mekka angekommen nehmen die Pilger noch einmal die Ganzkörperwaschung (Gusl) vor und gehen zur Kaaba. Auf dem Weg zum Harâm asch-Scharîf werden die Talbiyya, der Takbîr, der Tahlîl und Salawât gesprochen. Beim Anblick der Kaaba wird dreimal der Takbîr und dreimal der Tahlîl ausgerufen. Anschließend kann man ein persönliches Bittgebet sprechen, wie z. B. dieses:

„O Allah! Vermehre die Würde, die Verehrung, die Erhabenheit und Herrlichkeit dieses gesegneten Hauses. O mein Herr! Erhöhe die Ehre und den Rang derjenigen, die ihm Ehrerbietung und Hochachtung entgegenbringen, ebenso wie von denjenigen, die auf gleiche Weise den Hadsch und die Umra mit Ehrerbietung und Hochachtung ausführen.“

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Am Schwarzen Stein, dem Startpunkt des Tawâf, fassen diejenigen, die den Tamattu-Hadsch oder Kiran-Hadsch vollziehen möchten, die Absicht zum Umra-Tawâf. Wer dagegen den Ifrâd-Hadsch zu vollziehen beabsichtigt, fasst die Absicht zum Kudûm-Tawâf.

ABSICHT (NIYYA) FÜR DEN UMRA-TAWÂF

Für den Umra-Tawâf wird folgende Absicht gesprochen:

ِِِِِ„O Allah! Um deine Zufriedenheit zu erlangen will ich mit sieben Schawts den Tawâf der Umra ausführen. Erleichtere ihn mir und nimm ihn an.“

Für den Kudûm-Tawâf spricht man die Absicht wie folgt:

VORAUSSETZUNGEN

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„O Allah! Um deine Zufriedenheit zu erlangen will ich mit sieben Schawts den (Kudûm-)       Tawâf ausführen. Erleichtere ihn mir und nimm ihn an.“

Bevor man mit dem Tawâf beginnt, küsst man zunächst den Schwarzen Stein. Sollte dies z. B. aufgrund starken Gedränges nicht möglich sein, grüßt man ihn aus der Ferne. Dazu hebt man die Hand und spricht den „Istilâm“:

„Bismillâhi Allâhu akbar! Allâhu akbar wa lillâhil hamd“ („Im Namen Allahs, Allah ist am größten. Allah ist am größten. Lob und Dank gebühren ihm.“)

Dieser Gruß wird am Ende jeder Umrundung („Schawt“) wiederholt. Auch die „jemenitische Ecke“ (Rukn al-Yamânî) der Kaaba wird gegrüßt. Bei jedem Schawt wird zwischen dem Rukn al-Yamânî und dem Hadschar al-aswad folgen- des Bittgebet gesprochen:

„O unser Herr! Gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits. Beschütze uns vor der Höllenpein. Lass uns mit den Guten ins Paradies eintreten. O Ehrwürdiger, o Herr der Welten, der du reich bist an Vergebung.“

Der Tawâf wird gegen den Uhrzeigersinn ausgeführt, so- dass sich die Kaaba stets zur Linken befindet. Außerdem ist darauf zu achten, nicht durch den Zwischenraum zwi- schen Kaaba und Hatim-Wand hindurch zu gehen.

Bei allen Tawâfs, denen der Say folgt, ist es Sunna, den „Iztibâ“ und während der ersten drei Schawts den „Ramal“ auszuführen. Iztibâ bedeutet, das obere Ihrâm-Tuch unter dem rechten Arm hindurch über die linke Schulter zu führen, so dass der rechte Arm und die rechte Schulter unbedeckt bleiben.

VORAUSSETZUNGEN

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Der Ramal ist der von Männern während der ersten drei Schawts des Umra- bzw. Besuchs-Tawâfs vollzogene Laufschritt. Der Überlieferung nach wurde den Gefährten wäh- rend eines Tawâfs um die Kaaba von den Götzendienern Schwäche vorgeworfen. Daraufhin sagte der Prophet:

„Wer sich heute gegenüber den Götzenanbetern stark zeigt, der möge Allahs Gnade erfahren!“ (Ah- mad bin Hanbal, I, 305-306).

Nach dem Tawâf verrichten die Pilger hinter dem Makâm Ibrâhîm ein aus zwei Rakas bestehendes Gebet. Wer im Umkreis des Makâm Ibrâhîm keine Möglichkeit zum Ge- bet findet, kann es an einer beliebigen anderen Stelle in der Nähe der Kaaba verrichten. Anschließend können Bittgebete der freien Wahl gesprochen werden.

Das Tawâf-Gebet mit zwei Rakas ist wâdschib, vorausgesetzt, die Karahat-Zeit ist nicht eingetroffen. Es ist empfohlen, beim Tawâf-Gebet während der ersten Raka nach der Sure Fâtiha die Sure Kâfirûn und während der zweiten Raka die Sure Ihlâs zu rezitieren.

Wer in unmittelbarer Nähe der Kaaba ein Gebet verrich- tet, sei es als Farz-Gebet, als Wâdschib-Gebet oder als Nâfila-Gebet, sollte währenddessen zur Kaaba zu schauen, sofern es die Konzentration nicht stört. Wer das Gebet an einer Stelle verrichtet, von der aus die Kaaba nicht zu se- hen ist, schaut wie gewöhnlich auf den Punkt seiner Niederwerfung.

Wenn möglich, begibt man sich nach dem Tawâf-Gebet zum Multazam zwischen der Kaaba-Tür und dem Schwar- zen Stein, um erneut Bittgebete zu sprechen.

VORAUSSETZUNGEN

Es ist sehr verdienstvoll, beim Multazam zu beten. Der Prophet sagte:

„Es gibt niemanden, der hier beim Multazam Duâs spricht, die nicht angenommen werden.“ (Bayhakî, Sunan all-Kubrâ, Hadsch, V, 164)

BEDINGUNGEN FÜR DIE GÜLTIGKEIT DES TAWÂFS

1) Der Tawâf muss um die Kaaba herum innerhalb des Haram asch-Scharîf ausgeführt werden.

2) Es müssen mindestens vier Schawts ausgeführt werden. Für alle beim Hadsch-Tawâf fehlenden Schawts ist eine Kaffara zu leisten.

3) Mit dem Tawâf muss unbedingt in Höhe des Schwarzen Steins begonnen werden. Andernfalls ist dieser Schawt ungültig.

4) Alle Hadsch-Tawâfs müssen zu festgelegten Zeiten ausgeführt werden.

Der Tawâf des Hadsch hat drei Formen: Kudûm-Tawâf, Besuchs-Tawâf und Abschieds-Tawâf. Weitere Tawâf-Formen sind der Umra-Tawâf, der Nazîr-Tawâf und der Nâfi- la-Tawâf. Die einzelnen Formen sind in ihrer praktischen Ausführung zwar gleich, allerdings gibt es unterschiedli- che Bestimmungen zum Zeitraum ihrer Durchführung, ihrem Verpflichtungsgrad und den anschließenden Gottesdiensten. Dies wird im Folgenden erläutert.

KUDÛM-TAWÂF

Der Kudûm-Tawâf wird von allen Pilgern nach der Ankunft in Mekka ausgeführt. Er ist für diejenigen Sunna, die die Absicht zum Hadsch al-Ifrâd und zum Hadsch al-Kiran gefasst haben, aber nicht für diejenigen, die den Hadsch at-Tamattu ausführen möchten.

Wer die Absicht zum Hadsch al-Ifrâd gefasst hat, führt den Kudûm-Tawâf unmittelbar nach der Ankunft in Mekka aus.

Wer die Absicht zum Hadsch al-Kiran gefasst hat, führt zuerst den Umra-Tawâf durch. Sobald man den Say vollzogen hat, führt man im Anschluss den Kudûm-Tawâf aus. Wird der Say nach dem Kudûm-Tawâf nicht vollzogen, entfallen Iztibâ und Ramal. Wird jedoch der Say des Farz-Tawâfs ausgeführt, was für diejenigen von außerhalb des Mîkât-Gebietes die geeignetere Variante ist, werden auch die beiden Sunnas vollzogen.

Der Kudûm-Tawâf kann bis zur Arafat-Wakfa durchgeführt werden.

BESUCHS-TAWÂF

Der Besuchs-Tawâf, der nach der Arafat-Wakfa durchge- führt wird, ist einer der beiden Grundpfeiler der Hadsch und damit Pflicht (Farz) für jeden Pilger.

Die Zeit dieses Tawâfs beginnt mit der Morgendämmerung des ersten Festtages. Er muss in den ersten drei Tagen des Opferfestes durchgeführt werden. Wer ihn grundlos aufschiebt, muss ein Schaf bzw. eine Ziege opfern.

Menstruierende Frauen holen den Tawâf nach, sobald die Menstruation vorüber ist. Für eine solche Verspätung ist keine Strafe vorgesehen. Der Besuchs-Tawâf muss unbedingt von jedem Pilger selbst durchgeführt werden. Die Benennung eines Stellvertreters ist nicht möglich. Der Hadsch endet mit der Ausführung des Besuchs-Tawâfs und des Abschieds-Tawâfs.

ABSCHIEDS-TAWÂF

Der Abschieds-Tawâf ist für alle Hadsch-Pilger, die von außerhalb der Mîkât-Grenzen kommen, wâdschib (verpflichtend). Er wird nach der Steinigung des Teufels in Mina vollzogen, bevor man Mekka verlässt.

Jeder zusätzliche freiwillige Tawâf nach dem Besuchs-Ta- wâf gilt als Abschieds-Tawâf. Es ist nicht unbedingt notwendig, die Absicht zum Abschieds-Tawâf zu fassen.

Wenn Frauen während ihrer Menstruation Mekka verlassen, ohne den Abschieds-Tawâf zu vollziehen, müssen sie keine Kaffara leisten.

UMRA-TAWÂF

Den Umra-Tawâf führt aus, wer nur die Umra oder den Tamattu-Hadsch ausführen möchte. Hierbei wird die Absicht für die Umra und den Hadsch getrennt gefasst wird. Dasselbe gilt für alle, die die Absicht zum Kiran-Hadsch fassen, indem sie den Ihrâm-Zustand für Umra und Hadsch vereinen. Der Umra-Tawâf wird von ihnen nach der Ankunft in Mekka zuerst durchgeführt. Da im Anschluss der Say vollzogen wird, werden gemäß der Sunna in allen Schawts der Iztibâ und in den ersten drei Schawts der Ramal vollzogen.

NAZÎR-TAWÂF

Dieser Tawâf ist wâdschib für denjenigen, der ein Opfer gelobt. Wer hierfür einen Zeitpunkt bestimmt hat, muss ihn einhalten. Nach dem Nazîr-Tawâf ist kein Say notwendig.

NÂFILA-TAWÂF

Dieser Tawâf wird von Personen ausgeführt, die sich längerfristig in Mekka aufhalten und von Zeit zu Zeit die Kaaba besuchen. Im Anschluss ist kein Say notwendig.

Der Nâfila-Tawâf ist sehr verdienstvoll. Pilgern wird deshalb empfohlen, sich nach der Umra vorrangig diesem Tawâf zu widmen.

WÂDSCHIB-BESTIMMUNGEN DES TAWÂFS

1) den Tawâf beim Schwarzen Stein beginnen
2) Laufrichtung gegen den Uhrzeigersinn; die Kaaba liegt immer zur Linken

3) den Tawaf zu Fuß ausführen, sofern kein Hinderungs- grund (z. B. körperliche Schwäche oder Krankheit) besteht

4) die Gebetswaschung (Wudû) und, wenn nötig, die Gusl-Waschung durchführen

5) die Intimbereiche des Körpers bedecken

6) den Tawâf außerhalb des Hatim-Bereichs ausführen

7) den Tawâf auf sieben Schawts vervollständigen

8) nach dem Tawâf das aus zwei Rakas bestehendem Ta- wâf-Gebet verrichten

SUNNAS DES TAWÂFS

1) sich dem Schwarzen Stein aus Richtung des Rukn al- Yamânî nähern

2) den Schwarzen Stein zu Beginn des Tawâf und am Ende jedes Schawts grüßen

3) die Schawts hintereinander und ohne Unterbrechung ausführen

4) den Iztibâ und den Ramal durchführen (nur Männer) 5) den Nâfila-Tawâf so oft wie möglich ausführen

6) sich der Kaaba so weit wie möglich nähern; Frauen soll- ten Gedränge jedoch möglichst meiden.

ARAFAT-WAKFA

ARAFAT-WAKFA

Die Arafat-Wakfa ist einer der drei Pflichtbestandteile des Hadsch und hat bestimmte Voraussetzungen.

Wakfa bedeutet, an einem bestimmten Ort für einen gewissen Zeitraum stehenzubleiben, und sei er auch nur äußerst kurz. Die Wakfa wird am neunten Tag des Monats Zulhidscha vollzogen, das heißt am Arafa-Tag, dem Vortag des ersten Opferfesttages. Der Zeitraum für die Wakfa beginnt, wenn die Sonne am Arafa-Tag im Zenit steht und endet mit Anbruch des Frühlichts, das heißt der Morgendämmerung am ersten Opferfesttags. Hat man innerhalb dieser Zeit auch nur für einen kurzen Moment innerhalb der Grenzen des Arafat-Gebiets gestanden, gilt dies als Wakfa.

Verlässt man allerdings am neunten Tag vor Sonnenuntergang den Arafat, ohne innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums wieder zurückzukehren, muss ein Schaf oder eine Ziege geopfert werden.

Da diese Wakfa zu den Farz-Bestandteilen des Hadsch gehört, gilt der Hadsch als nicht erfüllt, wenn die Wakfa nicht stattgefunden hat.

Um die Wichtigkeit der Arafat-Wakfa deutlich zu machen, sagte unser geliebter Prophet: „Der Hadsch ist Arafat.“

Arafat ist eine Ebene am Fuße des Hügels Dschabal ar-Rahma. Sie befindet sich außerhalb des Haram-Gebietes, aber noch innerhalb des Hill-Gebietes. Die Wakfa ist nur dann gültig, wenn sie auf dieser Ebene stattfindet.

Am 9. Zulhidscha, dem Tag der Arafat-Wakfa, werden das Mittags- und Nachmittagsgebet zusammen zur Zeit des Mittagsgebets verrichtet. Dies ist Sunna und wird „Dscham at-Takdîm“ genannt. Die Gebete können allein verrichtet werden, es ist jedoch verdienstvoller, sie ge- meinschaftlich in der Namîra-Moschee zu verrichten. Vor der Verrichtung der Farz-Teile des Gebets ist die Ikâma (der Aufruf zum Farz-Teil des Gebets) zu sprechen.

Wenn die Mittags- und Nachmittagsgebete zusammen verrichtet werden, wird nach dem Gebetsruf (Azân) zuerst das erste Sunna-Gebet des Mittagsgebets mit vier Rakas und nach der Ikâma der Farz-Teil des Mittagsgebets verrichtet. Anschließend wird die Ikâma ein weiteres Mal gesprochen, diesmal für den Farz-Teil des Nachmittagsgebets, das sich unmittelbar an das Mittagsgebet anschließt. Das zweite Sunna-Gebet des Mittags- und das Sunna-Gebet des Nachmittagsgebets entfallen. Es ist unerwünscht (makrûh), beim Dscham at-Takdîm zwischen den beiden Gebeten weitere Gebete zu verrichten.

Die Menstruation, das Tragen von Windeln, das Fehlen der Gusl-Waschung nach den rituellen Verunreinigungen und das Fehlen der Gebetswaschung machen die Arafat-Wakfa nicht ungültig. Selbst Kranke, die nicht in der Lage sind, das Bett zu verlassen, werden zum Arafat gebracht, damit sie die Wakfa vollziehen können. Für die Gültigkeit der Wakfa ist es unerheblich, ob man bei Bewusstsein ist oder nicht.

Die Verpflichtung zur Arafat-Wakfa gilt auch dann als erfüllt, wenn man sich nicht im Weihezustand befindet.

Am neunten Tag des Zulhidscha begibt man sich sofort nach Sonnenuntergang nach Muzdalifa. Das Abendgebet wird nach der Ankunft in Muzdalifa, als Dscham at-Ta’hîr (gemeinsame Verrichtung zweier Gebete in der Zeit des späteren Gebetes) verrichtet. Dies ist wâdschib.

Zunächst wird die Ikâma für den Farz-Teil des Abendgebets gesprochen und dieses sogleich verrichtet. Das Sunna-Gebet nach dem Abendgebet entfällt. Anschließend wird Ikâma zum zweiten Mal ausgerufen und der Farz-Teil des Nachtgebets verrichtet, gefolgt vom Danach Sunna-Gebet des Nachtgebets und dem Witr-Gebet. Der Dscham at- Ta’hîr kann sowohl gemeinschaftlich als auch allein verrichtet werden.

Es ist sehr verdienstvoll, die Wakfa am Fuße des Berges der Barmherzigkeit (Dschabal ar-Rahma) zu vollziehen und dort Duâs zu sprechen.

Der Prophet sagte: „Es gibt außer dem Arafa-Tag keinen anderen Tag, an dem Allah mehr von seinen Geschöpfen vor dem

Feuer befreit. Und wenn Allah an diesem Tag seinen Geschöpfen erscheint, dann rühmt er sich mit ihnen vor den Engeln und fragt: ‚Was wollen meine Geschöpfe von mir?’“ (Muslim, Hadsch, 1348)

In einem anderen Hadith sagte der Gesandte Allahs:

„Das beste Duâ ist jenes, das am Arafa-Tag gesprochen wird. Das beste aller meiner Worte und das der Propheten vor mir ist: ‚Lâ ilâha illallâhu wahdahu lâ scharîka lah, lahul mulku wa lahul hamdu wa huwa âlâ kulli schay’in kadîr.’“ (Tirmizî, Duâ, 3585)

In einer Überlieferung heißt gibt keine anderen Tage, an denen Allah rechtschaffene Taten mehr gefallen, als an diesen zehn Tagen.“ (Ahmad bin Hanbal, 1/346)

Auf der Arafat-Ebene bat der Prophet um Gnade für seine Umma und Allah nahm sein Bittgebet an. Allah war stolz auf die Gläubigen und sprach zu seinen Engeln: „O meine Engel, seid Zeugen! Ich habe ihnen vergeben.“

Der Gesandte Allahs vollzog bei seiner letzten Pilgerfahrt alle Hadsch-Riten einschließlich der Arafat-Wakfa. Ihre letztgültige Form wurde also durch den Propheten persönlich festgelegt. Außerdem wurde dem Propheten der dritte Vers der Sure Mâida offenbart, als er sich auf dem Arafat befand: „[…] Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam als zur Religion erwählt […]“ (Sure Mâida, 5:3)

SINN DER ARAFAT-WAKFA

Die Arafat-Wakfa, bei der sich Hunderttausende von Muslimen zur gleichen Zeit auf einer großen Ebene versammeln, soll an den Tag des Jüngsten Gerichts erinnen. In Hitze und Staub, erschöpft von den Strapazen der vergangenen Tage, warten sie auf den Einbruch der Nacht. In keinem anderen Gottesdienst ist dieser gewaltige Tag so präsent. Dieses große Ereignis so greifbar vor Augen zu haben, erleichtert es, Sünden aufrichtig zu bereuen und Allah aufrichtig um Vergebung zu bitten.

SUNNAS DER ARAFAT-WAKFA

1) Am Arafa-Tag begibt man sich nach Sonnenaufgang von Mina aus in das Arafat-Gebiet.

2) In der Namîra-Moschee hält der Imam, genau wie bei der Freitagspredigt, eine zweiteilige Hutba (Predigt), bevor er das gemeinschaftliche Mittagsgebet leitet.

3) Es wird der Dscham at-Takdîm ausgeführt. Das heißt, das Nachmittagsgebet wird in der Zeit des Mittagsgebets verrichtet.

4) Man führt die Gusl-Waschung durch oder behält den Zustand bei, in dem die Waschung noch besteht.

5) Man darf nicht fasten. Es ist für Pilger unerwünscht (makrûh) am Arafa-Tag zu fasten.

6) Man sollte versuchen, die Wakfa am Fuße des Berges der Barmherzigkeit zu vollziehen.

7) Während der Wakfa sollte die Talbiyya, der Takbîr und der Tahlîl sowie Salawât für den Propheten gesprochen werden. Außerdem sollte man Duâs sprechen, den Koran lesen und Gebete verrichten.

8) Man sollte die Wakfa, wenn möglich im Stehen ausführen. Zwar kann die Wakfa auch im Sitzen vollzogen werden, der Stehende erhält jedoch mehr Lohn als der Sit- zende und derjenige auf einem Tragetier oder sonstigen Vehikel erhält ebenfalls mehr Verdienste als derjenige, der steht.

9) Man wendet sich während der Wakfa in Richtung der Kaaba.

MUZDALIFA-WAKFA

MUZDALIFA-WAKFA

Nachdem auf dem Arafat die Sonne untergegangen ist, begeben sich die Pilger ohne Hast nach Muzdalifa, einem zwischen der Arafat-Ebene und dem Tal von Mina gelege- nen Gebiet. Hier soll der Sunna gemäß möglichst auf dem Masch’ar al-Harâm, die zweite verpflichtende (wâdschib) Wakfa des Hadsch vollzogen werden.

Für die Gültigkeit der Muzdalifa-Wakfa gelten die gleichen Bestimmungen wie für die Wakfa auf dem Arafat. Sie beginnt mit dem Frühlicht des 10. Zulhidscha und endet bei Sonnenaufgang desselben Tages. Hat man während dieser Zeit nur einen kurzen Augenblick in Muzdalifa verbracht, gilt die Wakfa als vollzogen. Wer innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums die Wakfa nicht ausgeführt oder vor dem Anbruch des Frühlichts ohne entschuldbaren Grund Muzdalifa verlassen hat, muss zur Strafe ein Schaf oder eine Ziege opfern.

Mit dem Erscheinen des Frühlichts wird das Morgengebet verrichtet. Es ist Sunna, sich damit zu beeilen und im Anschluss daran Talbiyya, Takbîr, Tahlil, Salawât und Duâs

zu sprechen und solange wach zu bleiben bis es hell wird. Dabei sollte man versuchen, sich stets in der Nähe des Masch’ar al-Harâm aufzuhalten.

Die Nacht in Muzdalifa zu verbringen ist ebenfalls Sunna. In diesen Stunden kann man Duâs sprechen und Allahs Gedenken, sich aber auch ausruhen und etwas schlafen.

SINN DER MUZDALIFA-WAKFA

Der Überlieferung verbrachten Adam (a) und Eva (Ha- wwa), nachdem sie sich in Arafat getroffen hatten, die Nacht in Muzdalifa. Als Bestandteil der Hadsch-Riten lässt sich die Muzdalifa-Wakfa auf Ibrâhîm (a) zurückverfolgen. Auch der Prophet Muhammad (s) begab sich nach Sonnenuntergang von Arafat aus sofort nach Muzdalifa. Dort verrichtete er zu Beginn der Zeit des Nachtgebet das Abend- und Nachtgebet gemeinsam als Dscham at-Tahîr. Der Prophet verbrachte die Nacht mit Zikr, ruhte sich aber auch aus. Nach der Verrichtung des Morgengebets mit dem Erscheinen des Frühlichts führte er die Wakfa auf dem Kuzah-Hügel aus und machte sich noch vor Sonnenaufgang auf den Weg nach Mina.

Die Steine, die auf die Dschamras (Säulen, die den Teufel symbolisieren) geworfen werden, sammelt man meist in Muzdalifa, so als würde man sich für einen großen Feld- zug rüsten, der am nächsten Tag gegen den Teufel zu führen ist. Mit diesem Bewusstsein und diesem Verständnis begeben sich die Gläubigen in die Obhut Muzdalifas. Dass Hunderttausende oder sogar Millionen Muslime nach der Arafat-Wakfa hierher kommen, hat Dichter und Literaten beeinflusst, von denen es sehr schöne Texte dazu gibt. Sie schrieben über die große Bedeutung und die Tugenden, die mit der Wakfa in Verbindung stehen.

Die Besonderheit des Ortes drückt sich bereits im Namen aus: „Masch’ar al-Harâm“ bedeutet „Ort der Bewusstwer- dung“. In der Stille der Nacht, noch beeindruckt von den Erlebnissen auf Arafat, können sich die Gläubigen in Muzdalifa im Gebet und im Zikr auf sich selbst konzentrieren und den Schleier der eigenen Triebseele erkennen, der sie von der vollkommenen Erkenntnis der göttlichen Liebe und Schönheit trennt. Mit dem Sammeln der Steine für die symbolische Steinigung des Teufels am darauffolgen- den Tag rüsten sie sich im übertragenen Sinne für den Kampf gegen ihre größten Feinde in diesem Leben, den Teufel und die eigene Triebseele.

STEINIGUNG DES TEUFELS

STEINIGUNG DES TEUFELS

Von Muzdalifa aus begeben sich die Pilger nach Mina, um hier eine weitere wichtige Ibâda zu verrichten: den Ramyi al-Dschimar, die symbolische Steinigung des Teufels. Nachdem sie in Mina ihre Zelte bezogen haben, gehen sie zur Dschamra al-Akaba, im Volksmund „Großer Teufel“ genannt. Diese Steinsäule wird nacheinander mit sieben Kieselsteinen, die man zuvor in Muzdalifa gesammelt hat, beworfen. Man nimmt Stein für Stein zwischen Daumen und Zeigefinger und sagt bei jedem Wurf:

„Bismillâhi Allâhu akbar! Ragman lisch-Schaytâni wa hizbihî.“ („Im Namen Allahs. Allah ist am größten! Trotz des Teufels und seines Gefolges.“)

Jeder geworfene Stein muss in den markierten und mit Beton umrandeten Bereich fallen, anderenfalls wirft man noch einen Stein.

Mehr als sieben Steine zu werfen gilt als unerwünscht (makrûh). Wer weniger Steine wirft, muss eine Geldspende entrichten. Alle sieben Steine gleichzeitig zu werfen gilt als einziger Wurf. Deshalb ist es notwendig, sie einzeln zu werfen und dabei zu zählen.

Wer die Steine nicht wirft, sondern mit der Hand auf die zu bewerfende Säule legt, hat die Bestimmungen dieses Gottesdienstes nicht erfüllt.

Es ist Sunna, die Steinigung des Großen Teufels vor dem Mittagsgebet des ersten Kurbânfesttages vorzunehmen, sie kann jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt am Nachmittag durchgeführt werden. Nach Sonnenuntergang ist die symbolische Steinigung dagegen unerwünscht (makrûh). Die Steinigung des Kleinen Teufels und des Mittleren Teufels erfolgt erst am darauffolgenden zweiten Festtag (s. u.).

Die drei Teufel dürfen nicht zu verwechselt werden. Sollte ein Pilger aus Versehen statt des Großen Teufels einen der beiden anderen steinigen, muss ein Schaf bzw. eine Ziege als Kaffara geopfert werden.

Nach der symbolischen Steinigung am 10. Zulhidscha wird die Talbiyya nicht mehr ausgesprochen. Wer die Absicht für den Tamattu- und den Kiran-Hadsch gesprochen hat, schlachtet jetzt ein Opfertier oder wartet die Nachricht ab, dass die Opferung ausgeführt wurde.

Die Pilger schneiden auf keinen Fall ihre Kopfhaare, bevor die Opfertiere geschächtet wurden. Anderenfalls müssen sie, da sie die Reihenfolge der Gottesdienste nicht einge- halten haben, ein Schaf oder eine Ziege opfern.

Das heißt, zuerst wird der Teufel gesteinigt, dann das Opfertier geschlachtet, später die Kopfhaare rasiert und danach der Ihrâm abgelegt.

Diejenigen, die die Absicht für den Ifrâd-Hadsch gefasst haben, können dagegen nach der Steinigung des Teufels sofort ihre Kopfhaare rasieren lassen und den Ihrâm ablegen. Das Schlachten eines Opfertieres ist für sie nicht wâdschib.

Die Hadschpilger, die den Teufel gesteinigt, ein Opfertier geschlachtet und schließlich ihre Kopfhaare geschnitten und den Ihrâm-Zustand verlassen haben, gehen, wenn möglich noch am gleichen Tag, zur Kaaba. Dort vervoll- ständigen sie ihren Hadsch, indem sie den Besuchs-Tawâf ausführen und ggf. den Say.

Den Besuchs-Tawâf innerhalb der ersten drei Festtage auszuführen ist wâdschib. Die Pilger, die diesen Tawâf und den Say ausgeführt haben, kehren wieder nach Mina zurück, und verbringen der Sunna gemäß die Festtage, einschließlich der Nächte, in Mina. Am Nachmittag des zweiten Festtages begeben sich die Pilger zu den Dschamras, um nun auch den Kleinen Teufel sowie den Mittleren Teufel symbolisch zu steinigen. Wiederum ist die exakte Reihenfolge zu beachten: Man bewirft zuerst den Kleinen Teufel, dann den Mittleren Teufel und schließlich den Großen Teufel jeweils mit sieben Steinen. Es ist nicht erwünscht, diese Steinigungen am Vormittag auszuführen.

Am dritten Festtag begibt man sich noch einmal zu den Dschamras und steinigt die drei Teufel, beginnend mit dem kleinsten. Die Pilger können Mina nun verlassen, wer jedoch noch bleiben möchte, muss die Steinigung auch am vierten Tag ein weiteres Mal durchführen. Wer die

Wâdschib-Vorschrift der symbolischen Steinigung nicht beachtet bzw. sie aus Gesundheits- oder Altersgründen nicht ausführen kann und auch keinen Stellvertreter damit beauftragt hat, muss ein Opfertier schlachten. Wer körperlich dazu in der Lage ist, muss die Steinigung un- bedingt persönlich durchführen, ein Stellvertreter kann nicht benannt werden.

Auf folgende Punkte ist bei der Steinigung zu achten: Es dürfen ausschließlich saubere haselnussgroße Steine ge- worfen werden. Das Werfen größerer Steine, anderer Gegenstände oder Knochen ist nicht erlaubt.

Es ist unerwünscht (makrûh), bereits geworfene Steine nochmals zu verwenden, einen großen Stein in sieben Teile zu zerbrechen oder mehr als sieben Steine auf eine Dschamra zu werfen.

Wenn die Steinigung beendet ist, werden die verbliebe- nen Steine auf dem Boden abgelegt. Sie müssen weder vergraben noch anderweitig entsorgt werden.

SINN DER STEINIGUNG DES TEUFELS

Die Steinigung des Teufels wird im Gedenken an den Propheten Ibrâhîm (a) praktiziert. Einer Überlieferung des Propheten Muhammad (s) zufolge war Ibrâhîm (a) gerade dabei, den Hadsch zu vollziehen, als ihm der Teufel bei der Dschamra al-Akaba aufsuchte. Ibrâhîm (a) bewarf ihn mit sieben Steinchen, worauf ihm der Schaytan ein zweites und ein drittes Mal erschien. Jedes Mal bewarf ihn Ibrâhîm (a) mit Steinen, bis der Schaytan i der Erde verschwand.Die drei Steinsäulen stehen symbolisch sowohl für den Teufel und seine Helfer, aber auch für unsere eigene Triebseele, die uns fortwährend Schlechtes befehlen, uns den Geboten Allah und der Verrichtung unserer Gottesdienste gegenüber gleichgültig werden lassen und weltliche Begierden in unser Herz pflanzen. Mit der Steinigung der Dschamras reißen wir uns von diesen Begierden los und erklären unseren ärgsten Feinden auf dem Weg zu Allah den Kampf.

OPFERN

OPFERN

Das Schlachten eines Opfertieres während des Hadsch ist wâdschib für alle Pilger, die den Hadsch at-Tamattu und den Hadsch al-Kiran vollziehen.

Für diejenigen, die die Absicht zum Hadsch al-Ifrâd gefasst haben, ist die Darbringung eines Hady-Opfers mustahab (verdienstvoll).

Als Hady bezeichnet man Opfertiere, die von den Pilgern als Bestandteil der Hadsch-Riten geschlachtet werden. Ziel des Schlachtens soll es sein, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und seine Dankbarkeit zu bekunden.

Das Hady-Opfer entspricht von der Kategorie her einem Udhiya-Opfer. „Udhiya“ bezeichnet das Opfer, dessen Schlachtung innerhalb der Opferfesttage wâdschib für die- jenigen ist, die dazu in der Lage sind. Da die Hadschpilger aus religiöser Hinsicht als Besucher gelten, sind sie zum Hady-Opfer verpflichtet, aber nicht zum Udhiya-Opfer.

Für das Hady-Opfer werden die gleichen Tierarten ausge- wählt wie für das Uhdhiya-Opfer. Pro Person kann ent- weder ein Schaf oder eine Ziege oder ein Siebtel eines Kamels bzw. Rinds geopfert werden, d. h. sieben Pilger können gemeinschaftlich ein großes Opfertier schlachten.

Die Hady-Opfer müssen unbedingt innerhalb der Ayyâm an-Nahr genannten ersten drei Festtage des Opferfes- tes innerhalb des Haram-Gebiets, am besten in Mina, geschlachtet werden. Wer diese Frist verstreichen lässt ohne zu opfern, muss im darauffolgenden Jahr einen zum Hadsch pilgernden Verwandten damit beauftragen, so- wohl dieses als auch ein zusätzliches Strafopfer an seiner Stelle darzubringen.

Da das Hady-Opfer aus Dankbarkeit dargebracht wurde, ist sein Fleisch für Arme, Wohlhabende und auch für den- jenigen, der geopfert hat gleichermaßen erlaubt.

Dies gilt nicht für Strafopfer. Sie zählen zu den Nazir-Opfern (Gelöbnisgeschenken), auf deren Fleisch ausschließlich Bedürftige Anspruch haben. Wohlhabende und diejenigen, die das Opfer dargebracht haben einschließlich ihrer Ange- hörigen, dürfen nicht davon essen, sofern sie den Gegenwert der Fleischmenge nicht als Spende entrichten.

Der häufige Ratschlag an Pilger, Hady-Opfer statt im Haram-Gebiet in den jeweiligen Heimatländern dazubringen, ist als falsch zurückzuweisen. Erstens handelt es sich um eine Wâdschib-Vorschrift, im Haram-Gebiet zu opfern. Zweitens erlangt man durch die Opferung im Haram-Ge- biet einen ungleich höheren Lohn als andernorts.

Ausschlaggebend ist einzig und allein der Befehl Allah. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass beim Hady-Opfer nicht das Fleisch des Opfertieres im Vordergrund steht, sondern die Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer.

Die Hady-Opfer werden entweder von Hadschpilgern oder von deren Stellvertretern geschlachtet. Pilger, die nicht selbst opfern, müssen unbedingt die Bestätigung, dass ihr Opfertier geschlachtet wurde, abwarten, ehe sie den Kopf rasieren und den Ihrâm verlassen.

Auch die Strafopfer sollen unbedingt innerhalb des Haram-Gebiets geschlachtet werden, es gibt jedoch keine zeitliche Befristung.

RASIEREN ODER KÜRZEN DER KOPFHAARE

Das Rasieren oder Kürzen der Kopfhaare gehört zu den Wâdschib-Bestimmungen des Hadsch. Diejenigen, die die Absicht zur Umra fassen, rasieren oder kürzen die Kopfhaare und verlassen den Ihrâm-Zustand nach dem Say der Umra. Wer hingegen die Absicht für den Hadsch gefasst hat, rasiert bzw. kürzt sein Haar in Mina am ersten Festtag, nachdem er den Teufel gesteinigt und das Opfertier geschlachtet hat.

Das Kürzen (Taksîr) der Kopfhaare um mindestens ein Viertel ihrer Länge ist wâdschib, ansonsten muss ein Opfertier als Kaffara geschlachtet werden. Die vollständige Rasur der Haare (Halk) ist allerdings zu bevorzugen.

Nach der schafiitischen Rechtsschule genügt es bereits, drei einzelne Haare abzuschneiden.

Frauen kürzen lediglich ihre Haarspitzen um die (ungefähre) Länge ihrer Zeigefingerkuppe.

Die Rasur und das Kürzen der Kopfhaare hebt alle Verbote des Ihrâms mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs auf. Nach dem Besuchs-Tawâf ist auch dieser wieder erlaubt.

Halk oder Taksîr gelten nur für die Kopfhaare. Die Rasur des Kinn- oder Oberlippenbartes gilt nicht als Rasur und Kürzung. Werden Kinn- oder Oberlippenbart vor dem Schneiden der Kopfhaare rasiert, fällt eine Strafe an.

Jemand, der keinerlei Haare auf dem Kopf hat, die abgeschnitten werden könnten, muss trotzdem das Rasiermesser oder den Rasierapparat über die Haut führen, um den Ihrâm verlassen zu können. Wer dies nicht tut, muss ein Strafopfer darbringen.

Wer die symbolische Steinigung des Teufels bereits durch- geführt und sein Opfertier geschlachtet hat, darf sowohl seinen eigenen als auch den Kopf anderer Pilger scheren.

AUFHEBUNG UND VERSÄUMUNG

Wenn ein Muhrim aus irgendeinem Grund (Krankheit, Verlust des Geldes, Tod des begleitenden Mahram) den Hadsch abbrechen muss, ehe er den Tawâf und die Wak- fa ausgeführt hat, dann ist damit der Ihsâr eingetreten.

Jemand, der aufgrund des Ihsâr seinen Hadsch nicht beenden kann, verlässt den Ihrâm, indem er ein Ihsâr-Hady genanntes Opfer erbringt und in einem der darauffolgenden Jahre seinen Hadsch oder seine Umra nachholt.

Von Fawât spricht man, wenn die Arafat-Wakfa nicht innerhalb des vorgesehenen Zeitraums ausgeführt wer- den konnte. Da in diesem Fall der Hadsch aber nicht vollendet wurde, holen ihn die Betroffenen ebenfalls in einem der Folgejahre nach.

ABSCHIEDS-TAWÂF

ABSCHIEDS-TAWÂF

Der Abschieds-Tawâf ist für alle Hadsch-Pilger, die von außerhalb der Mîkât-Grenzen kommen, wâdschib (verpflichtend). Er wird nach der Steinigung des Teufels in Mina vollzogen, bevor man Mekka verlässt.

Jeder zusätzliche freiwillige Tawâf nach dem Besuchs-Tawâf gilt als Abschieds-Tawâf. Es ist nicht unbedingt not- wendig, die Absicht zum Abschieds-Tawâf zu fassen.

Wenn Frauen während ihrer Menstruation Mekka verlassen, ohne den Abschieds-Tawâf zu vollziehen, müssen sie keine Kaffara leisten.

SAY

SAY

Als „Say“ bezeichnet man das Hin- und Herlaufen zwischen den beiden Hügeln Safâ und Marwa. Gemäß der hanafitischen Rechtsschule ist der Say wâdschib (ver- pflichtend) für den Hadsch. „Jeder Hin- und Rückweg wird Schawt genannt. Der Say besteht also aus sieben Schawts, wobei man viermal von Safâ nach Marwa und dreimal in die entgegengesetzte Richtung läuft. Den Ort, an dem der Say ausgeführt wird, nennt man „Mesâ“.

Startpunkt des Says ist der Hügel Safâ. Dies ist notwendig, um sieben Schawts vervollständigen zu können. Der Say endet am Hügel Marwa.

Männer vollziehen der Sunna entsprechend während dem Say bei jedem Schawt auf einem durch zwei grüne Lampen markierten Streckenabschnitt die „Harwala“.

Damit ist ein schneller, aufrechter Gang gemeint, der an Hadschars (r) verzweifelte Suche nach Wasser erinnern soll. Nachdem sie von Ibrâhîm zurückgelassen worden war, lief sie der Überlieferung nach zwischen den beiden Hügeln hin und her. Dort, wo heute die Harwala vollzogen wird, beschleunigte sie ihre Schritte, da sie ihren Sohn Is- maîl (a) von hier aus nicht sehen konnte.

Frauen behalten das normale Schrittempo bei.

Der Say ist keine eigenständige Ibâda, weshalb eine Wiederholung nicht möglich ist. Er wird nur nach dem Umra-Tawâf und dem Besuchs-Tawâf ausgeführt.

WÂDSCHIB-BESTIMMUNGEN DES SAYS

1) Wer gesundheitlich in der Lage dazu ist, führt den Say zu Fuß aus. Kranke und alte Menschen können, genau wie beim Tawâf, während dem Say von einer Begleitperson im Rollstuhl geschoben werden.

2) Der Say wird nach dem Tawâf ausgeführt.

3) Der Say wird mit sieben Schawts vollständig ausgeführt.

Nach hanafitischem Recht ist es unbedingt notwendig, mindestens vier Schawts auszuführen. Für jeden fehlenden Schawt muss eine Geldspende entrichtet werden. Wenn weniger als vier Schawts ausgeführt und die ver- bleibenden Schawts auch nicht nachgeholt werden, muss ein Opfertier als Kaffara geschlachtet werden. Nach schafiitischer Rechtsprechung sind alle sieben Schawts Bestandteile (Rukn) des Says. Daher gilt der Say als nicht ausgeführt, solange nicht alle sieben Schawts vervollständigt wurden.

SUNNAS DES SAYS

1) Vor dem Say muss die Gebetswaschung vollzogen werden. Frauen können auch nach Beginn ihrer Menstruation den Say ausführen.

2) Tawâf und Say sollen unmittelbar hintereinander ausgeführt werden. Man beginnt also nach dem Tawâf-Gebet sofort mit dem Say.

3) Bevor man mit dem Say beginnt, grüßt man vom Hügel Safâ aus den Schwarzen Stein.

4) Bei jedem Schawt soll man so weit auf die Hügel Safâ und Marwa hinaufsteigen, dass von dort aus die Kaaba zu sehen ist.

5) Man soll sich auf den Hügeln Safâ und Marwa mit dem Gesicht zur Kaaba wenden, den Takbîr und Tahlîl rufen und Duâs sprechen.

6) Männer sollen zwischen den markierten Stellen die Harwala vollziehen.

7) Während dem Say soll man Duâs sprechen.

8) Die Schawts sollen ohne Unterbrechung hintereinander ausgeführt werden.

AUSFÜHRUNG DES SAYS

Nach dem Tawâf-Gebet wird der Schwarze Stein gegrüßt und der Hügel Safâ bestiegen. Hier spricht man die Ab- sicht für den Say der Umra bzw. des Hadsch. Sie lautet:

„O Allah! Um dein Wohlwollen zu erlangen, will ich zwischen Safâ und Marwa den Say für den Hadsch (für die Umra) mit sieben Schawts ausführen. Erleichtere mir diesen Gottes- dienst und nimm ihn von mir an.“

Dann wendet man sich der Kaaba zu, ruft den Takbîr und den Tahlîl, spricht Salawât für den Propheten und geht in Richtung Marwa los. Unterwegs können bestimmte Duâs gesprochen werden (s. u.).

Während der Harwala spricht man folgendes Duâ:

„O Allah! Verzeihe mir meine Sünden, habe Erbarmen mit mir, vergib mir und beschenke mich. Erlasse mir alle Sünden, von denen ich weiß. Denn du weißt, was wir nicht wissen. Zweifellos bist du der Mächtige und Großmütige.“

Bei Marwa angelangt steigt man den Hügel wieder so weit hinauf, bis die Kaaba sichtbar ist. Man wendet sich zum Baytullâh, ruft den Takbîr und Tahlîl und spricht Salawât für den Propheten. Anschließend werden wiederum Bitt- gebete gesprochen. Auf diese Weise vervollständigt man alle sieben Schawts und beendet den Say.

Der Say wird für Umra und Hadsch jeweils einmal ausge- führt. Der Say der Umra wird nach der Umra, der Say des Hadsch nach dem Hadsch ausgeführt. Es ist ebenfalls zu- lässig, den Say des Hadsch nach dem Besuchs-Tawâf aus- zuführen. Für Pilger, die von außerhalb der Mîkât-Gren- zen kommen, ist diese Reihenfolge die bessere.

SINN DES SAYS

Der Say ist ein wichtiger Gottesdienst, der große Weisheit in sich birgt. Wie Hadschar (r) nach Wasser gesucht hat, so suchen die Gläubigen nach den verborgenen Quellen des Glaubens und der Spiritualität. Der Say versinnbildlicht die Hoffnung auf die Gnade und Barmherzigkeit Allahs, wie er sie Hadschar (r) und ihrem Sohn Ismaîl (a) geschenkt hat.

Imam Gazâli fasst den tiefen Sinn des Says so zusammen:

„Der Diener Allahs ist wie jemand, der mit dem Say die Reinheit und Echtheit seiner Dienerschaft gegenüber seinem Herrn zeigen will; wie jemand, der fordert, dass ihm mit Gnade und Barmherzigkeit begegnet werde; wie jemand, der im Garten des Sultans mehrere Male hinter- einander ein- und ausgeht. Der Diener setzt seinen Gang zwischen Safâ und Marwa fort, in der Hoffnung, dass ihm, in dem Fall, wenn ihm beim ersten Mal nicht vergeben wurde, beim zweiten Mal vergeben wird.“

 

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